Biografie
Biografie
Die aktuelle Biografie von den Ramones kannst du hier auf der deutschsprachigen Webseite lesen.
It’s Alive 1974-1996
22 Jahre lang waren die RAMONES die unumstrittenen Meister des Punkrocks. Der schlaksige Joey in der Mitte, links und rechts die hart arbeitenden Johnny und Dee Dee, in wechselnden Besetzungen Tommy und Marky an den Drums, später stießen Richie und C.J dazu. In welcher Besetzung auch immer, die RAMONES waren die Könige der Rock’n’Roll Highschool und der zu zuckendem Fleisch gewordene Alptraum des Spießers. Zu Unrecht von vielen als dilettantisch belächelt, waren es die RAMONES, die dem Punk in den USA auf die Beine halfen und die mit äußerster Beständigkeit einen Höhepunkt nach dem anderen abfeuerten. Weit über 2000 Auftritte spielten die RAMONES in den Jahren ihres Schaffens, und endlich gibt es die definitive Live-Mitschnitt-Kompilation auf zwei vollgepackten DVDs: It’s Alive 1974-1996.
33 Shows mit insgesamt 119 Songs präsentiert It’s Alive 1974-1996 im Hochgeschwindigkeitstempo. Vom frühen Gig am 16. September 1974 im New Yorker CBGB’s bis zum letzten Auswärts-Konzert am 16. März 1996 in Buenos Aires bietet die Doppel-DVD ein einziges, fast 5-stündiges Feuerwerk an Punkhits vom Allerbesten. Allein die Locations lesen sich wie ein „Best Of The Clubs“: Max’s Kansas City, das Armadillo in Austin, TX, The Club in Cambridge, MA, im Rainbow Theatre in London, die Auftritte im Musikladen von Radio Bremen, mehrfach Top Of The Pops in London, das obskure Event bei Mandagsborsen in Schweden, Finnland, Buenos Aires, Spanien, Italien… und immer wieder die hochenergetisch losdreschenden RAMONES.
Auch der eingefleischteste Fan bekommt feuchte Augen angesichts der anarchischen Darbietungen von Now I Wanna Sniff Some Glue, Judy Is A Punk, Blitzkrieg Bop, I Wanna Be Your Boyfriend, Rockaway Beach, Carbona Not Glue, Pinhead und und und….
Zusätzliche Bonussektionen enthalten kurze Interview-Ausschnitte mit Joey, Dee Dee, Tommy und Sire-Manager Danny Fields. Außerdem drei rare Videos zu It’s Not My Place (In The 9 To 5 World), The KKK Took My Baby Away und Somebody Put Something In My Drink sowie eine Fotogalerie und Ausschnitte aus der TV-Show „Sha Na Na Shenanigans“ und andere Gimmicks. Für einen Fan ist das wie Weihnachten, Geburtstag, Ostern und Punkrevolte zusammen.
Mehr als vier Jahre hat Tommy Ramone im Archiv zugebracht, um das Material aus 22 Jahren RAMONES-Geschichte zu sortieren und zusammenzustellen. Zu den Highlights gehört dabei unveröffentlichtes Material aus der Neujahrs-Show im Londoner Rainbow-Theater am 31.12.1977. Das Konzert wurde 1979 unter dem Titel It’s Alive veröffentlicht, das lange Zeit als bestes Live-Album aller Zeiten galt. Hier vertreten sind 14 Songs aus dem Konzert, darunter Pinhead, We’re A Happy Family und Havana Affair. Neun weitere Performances stammen vom 1982er US-Festival in San Bernadino, unter anderem Rock’n’Roll Highschool und Chinese Rocks, das Dee Dee für Johnny Thunders & The Heartbreakers schrieb.
Die RAMONES wurden 1974 von Tommy und Dee Dee in Queens, New York, ins Leben gerufen. Als Sänger und Drummer nahmen sie den eindrucksvoll großen und dünnen Joey dazu, während Tommy Ramone zunächst das Management übernahm. Zwei Monate nach dem ersten Gig am 30. März im New Yorker Performance-Studio setzte sich Tommy an die Drums und Joey übernahm das Mikrophon. Von da an sollten ultrastraighte Punksongs mit Cartoon-artigen Texten und schwarze Lederjacken für Kultstatus und ein festes Engagement im CBGBs sorgen. Im Frühjahr 1976 erschien das Debüt Ramones, am 4. Juli folgte der erste Europa-Auftritt.
Ab 1977 gab es eine Reihe von Umbesetzungen: Tommy verließ die Band, dafür kam Marky, aka Marc Bee von den Voivods. 1979 drehte Roger Corman den Film Rock’n’Roll Highschool; für den die RAMONES den Soundtrack und die Hauptrollen lieferten. 1983 verließ Marky die Band und schuf Platz für Richie Ramone, bis Marky 1987 an dessen Stelle zurückkehrte. 1989 ging Dee Dee, um eine Rapper-Karriere zu starten (erfolglos), statt seiner wurde C.J. zum festen Bandmitglied. Erstaunlicherweise veränderte sich der Sound der Band trotz aller Umbesetzungen fast gar nicht, aber trotzdem lösten sich die RAMONES nach der Lollapalooza-Tour im Sommer 1996 auf.
Allen Hoffnungen auf eine Re-Union machte der Tod Joeys am 15. April 2001 zunichte, er starb 49-jährig an Lymphdrüsenkrebs. Knapp ein Jahr später, am 5. Juni 2002 fand man Dee Dee unter ungeklärten Umständen tot in seinem Haus und am 15. September 2004 starb Johnny Ramone nach einem langen Kampf gegen den Krebs.
2002 wurden die RAMONES in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen. Mag die Band auch nicht mehr existieren, ihr Sound und ihre Bedeutung werden weiterleben… One-Two-Three-Four – Gabba Gabba Hey!
The Story Of The Ramones: End of The Century
Sie waren Konzept-Künstler ohne Konzept. Doch auch wenn sie womöglich nicht genau wussten, was sie da taten – das was sie taten wird die Geschichte des Rock’n Roll in alle Ewigkeit prägen wie sonst vielleicht nur noch Elvis, die Beatles, die Stones. Wobei die Ironie ihrer Geschichte darin liegt, dass diese Altvorderen – von Emerson, Lake & Palmer mal ganz zu schweigen – natürlich auf dem Index standen, als Johnny, Joey, Dee Dee und Tommy einfach mal eben den Punk erfanden...
Vom ersten Auftritt 1974 vor fünf ungläubigen Zuschauern im kleinen CBGB’s auf der New Yorker Bowery bis zum letzten 22 Jahre später vor großem Open-Air-Publikum in Hollywood und der Aufnahme in die Hall of Fame 2002, die Joey – im Jahr zuvor mit 49 dem Krebs erlegen – nicht mehr erleben durfte: Der Film "The End Of The Century" erzählt die immer noch ziemlich unglaubliche Geschichte der Ramones schön, aber nie beschönigend, klar, doch nie verklärend, schnell, aber nie so schnell wie seine Protagonisten zu spielen in der Lage waren. Sie wissen schon:
28 Songs in 50 Minuten. 1-2-3-4....
Apropos: Wunderbar ist natürlich jene Szene, da der inzwischen verstorbene Clash-Chef Joe Strummer "Oh, my god!" stöhnt, als Reaktion auf die Nachricht, die 1987er-Ausgabe der Ramones sei mit dem neuen Drummer noch "2 Minuten schneller" als sonst. Richie hatte die Stöcke damals von Marky übernommen, der wiederum Tommy nachgefolgt und –geeifert war, der nach den ersten drei Alben lieber nur noch Produzent war statt auf Tour "zu Gemüse zu werden." Doch die Ramones blieben immer die Ramones. Mit blitzenden Augen rekapituliert Joe Strummer auch, wie die Londoner Punk-Gemeinde 1975 aufgeregt hinter dem Roundhouse rumlungerte, um einen Blick auf die Pioniere aus Übersee zu erhaschen. Während die Stooges-Fans aus Forest Hills im New Yorker Anti-Glam-Stadtteil Queens daheim nicht mal als Vorgruppe in New Jersey funktionierten, konnten sich in England schon nicht mal der Manager und die Roadies vor Groupies retten. Dies zu einem Zeitpunkt, da der "Blitzkrieg Bop" (Songtitel) ihres schlicht "The Ramones" betitelten Debüts noch gar nicht im Kasten war, um mindestens die Hälfte vieler Plattensammlungen überflüssig zu machen und mit Macht in ein musikalisches und soziales Vakuum zu stoßen. Das beschreibt Legs Neil, der Gründer des Punk Magazine, mit Blick auf New York und den Exodus in die Suburbs so: "Die Eltern waren gegangen und du konntest tun, was immer du tun wolltest."
Strummer, der diese Maxime gerade auf der anderen Seite des Atlantiks beherzigte, bleibt nicht der einzige Zeitzeuge, der erhellend Auskunft gibt. Seymour Stein etwa, der legendäre Plattenmann, erklärt mit wehmütigem Blick, warum er gar nicht anders konnte als die Ramones für sein damaliges Label Sire unter Vertrag zu nehmen. Nur Phil Spector schwieg. Aus gutem Grunde. Traumatisch darf man sie wohl nennen, die Sessions, welche die Band im Frühjahr 1979 in den Gold Star Studios in Hollywood mit der Produzentenlegende für das Album absolvierte, das jetzt auch dem Film den Titel gab. Spector nahm die Ramones quasi in Geiselhaft, um sich als Platten-Svengali produzieren und gemeinsam viele, viele Horrorfilme ansehen zu können. Na, und irgendwann holte er dann natürlich auch noch die Knarre raus...
Die Sessions mit Spector brachten auch nicht den Durchbruch zum ganz großen Publikum, den sich die Band immer und besonders davon erhofft hatte. Sie vertieften vor allem den Graben zwischen Joey und Johnny. Während Spector dem Sänger seine ganze Aufmerksamkeit widmete und über Stunden an seinen Vocals bastelte, war der Gitarrist nur angewidert vom Messias-Gehabe der Produzentenlegende.
Und davon, simple drei Akkorde dreihundert Mal spielen zu müssen, weil dem Meister die ersten Takes nie reichten. So akribisch und präzise der Film den Finger in viele Wunden legt: Eine und womöglich die entscheidende Frage kann auch "The End Of The Century" letztlich nicht beantworten, sondern nur immer wieder umkreisen. Wie und warum es Johnny, der erzkonservative Kontrollfreak und Bush sen. -Anhänger, und Joey, der sensible Liberale, der vor allem sich selbst aus den Klauen einer frühen Krankheit ("obsessive compulsive disorder") und isolierten Kindheit befreien konnte – wie und warum es diese beiden so unterschiedlichen Seelen zumindest in der Band doch noch so lange miteinander aushalten konnten.
Es ist in diesem Zusammenhang mehr als delikat, wenn Johnny die Frage des Interviewers, ob es nach dem Ausstieg von Drummer Tommy einen Machtkampf zwischen ihm und dem immer selbstbewussteren Joey gegeben habe, ausgerechnet an seine aus dem Off sprechende Gattin Linda weiterreicht. Die Linda, die er zuvor Joey ausgespannt hatte, dem großen Romantiker, der ihr doch seine Welt zu Füßen gelegt hatte. Da blieb ihm nur noch "The KKK Took My Baby Away" zu schreiben....
Vielleicht beantwortet Debbie Harry, die frühe Weggefährtin aus CBGB’s-Tagen, die Frage doch am besten. Die Ramones, sagt die Blondie-Sängerin, das sei "wie beim Militär" gewesen. Wozu auch passt, dass Dee Dee irgendwann gegen den Uniform-Look der Band rebellierte, bevor er sich 2002 den goldenen Schuß setzte.
Nur zwei Monate nach der Hall of Fame-Zeremonie, bei der er sich in seiner kleinen Dankesrede nur sich selbst gratuliert hatte. Auch das ein Bild, das hängen bleibt: Wie Dee Dee die Party verlässt, den endlosen Hotelflur hinuntergeht, sich noch mal kurz umdreht und sagt, er müsse jetzt noch "für Brasilien üben." Ja, sie waren auch Big in Brazil, die Ramones, wo sie sich im Van kaum vor den No Future-Kids dort retten konnten, für die sie dieselbe Ventil-Funktion erfüllten wie Mitte der 70er für die in New York und London.
Der Schlachtruf ist dabei immer derselbe geblieben: Gabba-Gabby-Hey, Gabba-Gabba-Hey!! Und der ist noch lange nicht verhallt.